Frechen, die Stadt der 100 Bunker
Der zivile Luftschutz in Frechen
Wenn in der Überschrift von Frechen als der "Stadt der 100 Bunker" die Rede ist, dann wird hier der bauliche Begriff in seiner volkstümlichen Bedeutung für jedwelche Art von Luftschutzanlage aus dem Zweiten Weltkrieg gebraucht.
Mit dem Superlativ der 100 Luftschutzbauten ist keine absolute Zahl festgelegt, denn tatsächlich werden es über hundert Anlagen einschließlich der Schutzräume in Kellern, sowie der Werkluftschutzanlagen gewesen sein.
Im Juni 1943 meldete der NS-Bürgermeister Volm an den Landrat und Kreisleiter 100 Luftschutzstollen und Deckungsgräben als gebrauchsfertig oder im Bau befindlich; angegeben wurden 15ooo Schutzplätze.
Natürlich hatte der Bericht zu diesem Zeitpunkt der Krieges auch propagandistische Züge.
Frechen konnte dennoch wohl über 100% ihrer Bürger in überwiegend bombensicheren oder für bombensicher gehaltenen Schutzräumen 1944 unterbringen.
Nichtsdestotrotz ist diese immense Anzahl für eine zu Zeiten des 2. Weltkrieges kleinen Gemeinde mit nominell etwa 15.ooo Einwohnern bereits an sich ein Novum und es wert, auch hinsichtlich anderer Luftschutzmaßnahmen näher erforscht zu werden.
Meine Helfer, das Ziel - und ich.
Görings "Hinterlassenschaft" als Reichsminister der Luftfahrt und Luftwaffe war nicht typischerweise ein Thema für mich. Durch den Kauf eines Hauses in der Frechener Innenstadt, das über einem Luftschutzstollen steht, bin ich mit dieser eher zwangsweise in Kontakt getreten. Ich sah die Sicherheit meiner Familie durch diesen ungesicherten Luftschutzstollen gefährdet, da bereits 1964 Häuser in unmittelbaren Nachbarschaft durch einen Stollenbruch der selben Anlage erheblich beschädigt wurden.
Ich begann also die Geschichte dieses Luftschutzstollens zu recherchieren und stieß folgerichtig auf eine Vielzahl von verschiedenartigen LS-Anlagen im ehemaligen Gemeindegebiet und - für mich bis heute erstaunlich - auf den Widerstand von offizieller Seite, Auskunft über die Luftschutzanlagen, deren Lage und Zustand zu geben.
Im Jahr 2006 wurde ich ein weiteres Mal persönlich von einem Stollenbruch tangiert, als der Stollen auf der Ringschule, die mein Sohn damals besuchte, zum wiederholten Mal Schäden verursachte.
Es interessierte hier untergeordneter, wie sich die letzten Kriegsjahre für die Nutzer der Anlagen gestalteten ( hierüber haben andere Heimatforscher bereits berichtet), sondern eher die Gesetzmässigkeiten in baulicher Hinsicht, die Hierarchie und Teilhabe der NS-Organisationen und der Polizei im Luftschutz und die Rolle der Gemeinde- und Kreisverwaltung als örtliche Luftschutzbehörden.
Meine Recherchen erfassen auch Bereiche des Luftschutzes außerhalb des Baues von Luftschutzanlagen. Dazu gehören auch z.B. Maßnahmen der Evakuierung oder die Kinderlandverschickung. Aber auch Fragen der Luftsicherheit durch Verdunkelung, Tarnung, Gasschutz oder der aktive Luftschutz (Flak /Flugabwehr) und Alarmierung.
Interessant war und ist bis heute ebenfalls das Behördenverhalten in der Nachkriegszeit im Umgang mit den Luftschutzanlagen.
Meine Recherchen haben inzwischen - volkstümlich gesagt - "ein Fass" aufgemacht.
Stolleneingang Stollen ehem. Blumenstraße am ehemaligen Adolf-Hitler-Ring(Bildrechte:K i r c h)
Der etwa 150m lange Luftschutzstollen (einer der längsten Schutzstollen) verlief von diesem Eingang aus in etwa 12m Tiefe durch die rückwärtigen Gärten bis zur Hasenweide.
Vorläufiger Arbeitstitel
Die Ergebnisse werden zum Stadtarchiv Frechen zurückfinden und dort weitgehend unter Beachtung des Datenschutzes allgemein zugänglich sein.
Eine ausführlichere Zusammenfassung wird nach Abschluss der noch andauernden Recherchen in Buchform erscheinen.
Mit dem Fortschreiten der Erkenntnisse, wird hier eine Auflistung der bekannten und bekanntgewordenen Anlagen veröffentlich werden.
Seit 2005 versuche ich dem Luftschutz (LS) der Bevölkerung in meiner Heimatstadt Frechen auf die Spur zu kommen. Dabei bin ich inzwischen kein "Einzelkämpfer" mehr, sondern kann mich auf Helfer z.B. beim Stadtarchiv Frechen und seinen Ehrenamtlern, auf aktive und pensionierte Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung Frechen, auf ehrenamtliche Frechener Denkmalschützer und Heimatforscher, auf Frechener Bürger und auf das Moderatorenteam der IGEL stützen.
Ich danke diesen Personenkreisen für ihre bisherige Mithilfe und ihre Geduld. Ich hoffe auf die weitere Mithilfe.
Angaben zu meiner Person finden Sie im Impressum dieser Seite.
Über das Kontaktformular können Sie mir Informatien zukommen lassen bzw. Fragen stellen. Gerne können Sie auch Einträge in das Gästebuch vornehmen.
Hinweis auf LS-Stollen (Bild: K i r c h)
Selbst unscheinbare Hinweise, wie diese Wegbezeichnung an einem Beet einer Kleingartenanlage an der Rosmarstraße, weisen auf eine Luftschutzanlage hin.
Die Geländeformation weist auf einen Deckungsgraben, dessen Aushub als zusätzlicher Schutz aufgebracht wurde.Über die Erbauer ist bisher noch wenig bekannt.
www.frechen-stadt-der-100-bunker.de

